Es geht es weiter, elbaufwärts zum Nordostseekanal. Wegen des tidenabhängigen Stromes empfiehlt es sich, die Fahrt so zu wählen, dass man mit dem Strom flussaufwärts fahren kann, ansonsten wird es etwas mühsam.  Bei der Tonne 57a quert man das Fahrwasser und ist dann schon vor der Schleusenanlage Brunsbüttel.  Sportboote warten in einer dafür vorgesehenen Wartezone rechts von der Einfahrt. Auf der Schleuseninsel gibt es eine Lichtsignalanlage, freie Fahrt für Sportboote wird durch ein blinkendes weißes Licht angezeigt.

Das grüne Licht hat für die Sportschifffahrt keine Bedeutung. Wer hier zu früh einfährt, wird höflich aber bestimmt zurück gepfiffen, so wie die englische Motoryacht vor uns.

Per Funk kann man sich bei Brunsbüttel Traffic melden, ist aber im Prinzip nicht nötig, da man  vom Kontrollturm wahrgenommen wird. Der Funkverkehr selbst wird sehr unkompliziert und höflich abgewickelt. Im Kanal gilt AIS-Pflicht für alle Schiffe.

Zuerst wird immer die Berufsschifffahrt geschleust, dann kommen die Sportboote. Diese fahren an den Berufsschiffen vorbei und belegen den vordersten Platz

In den einschlägigen Büchern wird immer wieder auf den Sog hingewiesen. Den hab ich völlig unterschätzt. Wir sind praktisch im Leerlauf in die Schleuse hineingefahren.

Die Holzstege liegen sehr tief. Die Fender bis zur Wasserlinie hängen zu lassen, bringt eigentlich nichts, da sie aufschwimmen und von den Holzstegen ohnehin weggedrückt werden. Ein Mann belegt die Leinen an den Ringen, die am Stegboden angebracht sind.

Dieser ist, vor allem in nassem Zustand mitunter glitschig. Per Lautsprecher werden fallweise gut verständliche und klare Anweisungen durchgegeben. Ein Klingelton zeigt an, dass die Schleusentore geschlossen werden.

Wir sind bei Flut eingelaufen, daher geht das Schleusen sehr rasch und dauert nur wenige Minuten.

Ein weiterer Klingelton ertönt, die Tore öffnen sich und die Sportboote verlassen als erstes die Schleuse.

Was dann folgt ist eine einfache, manchmal eintönige Motorfahrt auf dem Kanal.

Sportboote halten sich so weit rechts als möglich und lassen die Berufsschiffe ungehindert passieren. Gegen Ende des Kanals wird die Fahrt immer romantischer und landschaftlich reizvoller.

Der Nordostseekanal, oder im internationalen Sprachgebrauch auch Kiel Kanal bezeichnet ist die meistbefahrene künstliche Wasserstraße der Welt und hat eine Länge von 98.637 km. Er verbindet die Nordsee mit der Ostsee. Kaiser Wilhelm II ließ ihn 1887 bis 1895 erbauen. 10 Brücken mit einer lichten Durchfahrthöhe von 42 Metern, zwei Tunnel und 14 Fährstellen  queren den Kanal. Die Sohlenbreite liegt bei 90 Meter und die Wassertiefe beträgt 11 Meter.  39 000 Berufsschiffe transportieren 104 Millionen Tonnen an Gütern. Dazu kommen noch ca. 14 000 Sportschiffe. Im Kanal gilt eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 8 Knoten. Für Sportboote gibt es ein Nachtfahrverbot, außerdem besteht Ausrüstungspflicht mit AIS.

Vor der Schleuse in Holtenau die gleiche Prozedur wie in Brunsbüttel. Wieder Warteschleife, Beobachten der Lichtsignale, unkomplizierter Funkverkehr mit Kiel Traffic und Einfahrt in die Schleuse bei blinkendem weißen Licht.

Wegen Bauarbeiten an den alten Schleusen wurden wir mit der Berufsschifffahrt in einer der beiden neuen Schleusenkammern geschleust. Auch hier liegen die Stege sehr tief, Ringe zum Festmachen sind am Stegboden angebracht. In Holtenau wird die Schleusengebühr  bezahlt. Dazu muss man eine steile Leiter hochklettern,  zum vorderen Schleusenende laufen und dort beim Automaten die Gebühr bezahlen.

Auch hier geht das Schleusen sehr rasch. Bei einigen der benachbarten Sportboote hat es der Zahlmeister nicht einmal geschafft bis zum Öffnen der Tore wieder auf dem Schiff zu sein.

© EG 2017